Für die In-vitro-Fertilisation ist es erforderlich, durch eine "kontrollierte Überstimulation" die Reifung von mehreren Follikeln zu erzielen. Durch die Stimulation erhöhen wir die Chancen, mehrere Eizellen zu gewinnen, erfolgreich zu befruchten, und damit auch ein bis drei Embryonen zu übertragen. Bewährt hat sich die Stimulation mit gentechnisch hergestelltem FSH oder HMG, das aus Urin gewonnen wird.
Die Stimulation beginnt am zweiten oder dritten Zyklustag mit Injektionen dieser Hormone. Um einen vorzeitigen Eisprung zu verhindern, wird die FSH- oder HMG-Stimulation mit einem sog. GnRH-Analogon kombiniert. Der Beginn der GnRH-Analogongabe liegt entweder bereits in der zweiten Hälfte des Vorzyklus (long protocol) oder er beginnt mit der Stimulation (short protocol).
Eine neuere Art der Stimulation ist das sog. Antagonisten-Protokoll. Hierbei wird zunächst mit der täglichen Stimulation mit FSH oder HMG begonnen, bevor am 6-8 Zyklustag zusätzlich der GnRH-Antagonist gespritzt werden muss.
Die Dauer der täglichen Spritzengabe variiert zwischen 10 und 18 Tagen. Alle Spritzen können hierbei selbst oder durch den Partner gesetzt werden.
Durch Gabe von GnRH-Agonisten (siehe "Medikamente") wird verhindert, dass der Eisprung spontan einsetzt und die Eizellen verloren gehen. Zur Vorbereitung der Eizellentnahme für die In-vitro-Fertilisation wird der Eisprung durch hCG-Injektion (an Stelle des natürlichen LH) ausgelöst, sobald die Hormon- und Ultraschalluntersuchungen die entsprechenden Werte erreichen. Ca. 40 Stunden später würde eine spontane Ovulation eintreten, d.h., die Eizellen würden für die weitere Behandlung verlorengehen. Deshalb werden die Eizellen nach ca. 36 Stunden aus dem Follikel (Punktion) entnommen.
Per Ultraschall wird zu Beginn der Behandlung untersucht, ob alles in Ordnung ist. Die heranwachsenden Follikel werden während der Stimulationsbehandlung kontrolliert – ebenfalls per Ultraschall. Am Tag der Ultraschalluntersuchung werden die Hormone Estradiol (E2), eventuell LH und Progesteron im Blut messen. Auf diese Weise wird der günstigste Zeitpunkt zur Gewinnung reifer, befruchtungsfähiger Eizellen bestimmt.
Während der Dauer der täglichen Injektionen sind ca. 2-4 Ultraschalluntersuchungen vor der Eizell-Entnahme notwendig.
Ist im Kulturmedium mindestens ein vitaler Embryo herangereift, kann dieser üblicherweise zwei bis drei Tage nach der Eizell-Entnahme übertragen werden. Der Embryo oder die Embryonen werden mit einem dünnen Katheter direkt in die Gebärmutter übertragen. Diese Übertragung erfolgt in der Kinderwunschpraxis auf einem Untersuchungsstuhlist und ist im Allgemeinen schmerzlos.
Nach dem Transfer ist eine Ruhepause nicht notwendig. Während der darauffolgenden zwei Wochen ist eine normale körperliche Belastung empfehlenswert, an Medikamenten erhält die Patientin im Wesentlichen Gelbkörperhormone, die eine mögliche Einnistung unterstützen sollen. Nach zwei Wochen erfolgt eine erste Blutentnahme zum Schwangerschaftstest.
Die Follikel werden unter Ultraschallsicht von der Scheide aus punktiert. Der Eingriff kann in leichter Allgemeinbetäubung (starkes Schmerzmittel und mittelstarkes Schlafmittel in die Vene gegeben) oder besser in Vollnarkose durchgeführt werden. Die Eizell-Entnahme dauert ca. 10 Minuten. Im Durchschnitt werden bei einem Eingriff 8-10 Eizellen gewonnen. Bei komplikationslosem Verlauf kann die Patientin trotz Vollnarkose noch am selben Tag nach Hause.
Wichtig ist, dass der Samen nach der Eizell-Gewinnung schnellstmöglich und möglichst keimfrei im Labor ankommt. Der Samen kann auch zu Hause durch Masturbation gewonnen werden, muss dann jedoch – noch körperwarm – innerhalb von 30 Minuten ins Labor gebracht werden.
Das Sperma wird im Labor gereinigt und durch spezielle Aufbereitungsmethoden konzentriert (Swim-up-Methode oder Dichtegradienten-Zentrifugation).
Bei besonders eingeschränkten Spermabefunden sind andere Aufbereitungsverfahren sowie das Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)-Verfahren möglich.
Das bis zu 4 Stunden nach der Eizellgewinnung für die IVF gewonnene Sperma wird im Labor vorbereitet. Die beweglichen Spermien werden nach 2 bis 6 Stunden zu den Eizellen in die Kulturflüssigkeit gegeben, für die konventionelle In-vitro-Fertilisation sind pro Eizelle 250.000 bewegliche Spermien erforderlich. Bei der ICSI erfolgt am Tag der Eizellgewinnung die Einbringung eines Spermiums in jede einzelne gewonnene Eizelle unter dem Mikroskop. Dies ist eine sehr aufwändige Technik, die viel Erfahrung und vor allem eine ruhige Hand braucht.
Meist verbleiben Ei- und Samenzellen ungefähr 24 Stunden in einem Wärmeschrank bei 37°C. Nach dieser Zeit wird geprüft, ob es zum Eindringen von Spermien in die Eizelle und zu einer Befruchtung gekommen ist (Imprägnation). Zwei bis drei imprägnierte Eizellen werden ausgesucht und noch ein bis fünf Tage im Brutschrank kultiviert. Überzählige imprägnierte Eizellen können eingefroren und zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden (Kryokonservierung). Während der Inkubation im Wärmeschrank teilen sich die befruchteten Eizellen, die Embryonen werden anschließend als vier-, achtzellige oder höhergradig geteilte Embryonen in die Gebärmutter übertragen.
Die Schwangerschafterwartung nach IVF oder ICSI ist etwa so hoch wie die natürliche Schwangerschaftserwartung eines gesunden Paares.
Nach bis zu 4 Behandlungszyklen sind 65-70% der Frauen schwanger. Wesentlichen Einfluss auf die Erfolgschance hat das Lebensalter der Frau.