Medizintechnologien@Fußball-WM: von der Erstversorgung bis zum Lebensretter
Medizintechnologien sind Mitspieler bei der Fußball-Weltmeisterschaft - ein fester Bestandteil des Teams in allen Phasen:
1. Vorbeugende Behandlung
Bei vorhandenen leichten Verletzungen oder abklingenden schweren Verletzungen kommen Medizinprodukte wie Bandagen und Tapes zur Gelenkstabilisierung zum Einsatz. Bekannteste Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind die Handgelenk-Stützbandagen bei Philipp Lahm 2009 oder Arien Robben 2010.
Ein spektakuläres Beispiel eines Medizinproduktes, das auf dem Fußballplatz Leben retten kann, ist der implantierbare Defibrillator. In den letzten Jahren gab es immer wieder Fälle, in denen Fußballer auf dem Platz am plötzlichen Herztod verstorben sind, ein durch Kammerflimmern ausgelöster Kreislaufstillstand. Am stärksten betroffen sind Menschen, die Monate oder Jahre zuvor einen Herzinfarkt hatten. Die einzig wirksame Waffe im Kampf gegen den Plötzlichen Herztod ist ein implantierbarer Cardioverter Defibrillator, kurz ICD.
Wird eine gefährliche Herzrhythmusstörung erkannt, dann gibt das kleine Gerät, das im Brustbereich unter der Haut implantiert ist, einen Gleichstromimpuls ab, der den regelmäßigen Herzschlag wieder herstellt. Auf Youtube findet sich ein Clip mit einem Ausschnitt aus einem belgischen Erstligaspiel, bei dem ein Spieler Dank des ICD-Implantats den plötzlichen Herztod überlebt: www.youtube.com/watch?v=4PwpSFDbCZY.
2. Erstversorgung auf dem Spielfeld
Muskeln, Sehnen und Bänder des Körpers werden bei einem Fußballspiel stark belastet. Kommt es zu Verletzungen, ist eine optimale Erstversorgung gefragt, denn es gilt: Je schneller eine Verletzung behandelt wird, desto besser ist der Verlauf des Heilungsprozesses.
Bei der Erstversorgung auf dem Spielfeld kommt in den meisten Fällen der Physiotherapie-Koffer des Mannschafts-Physiotherapeuten zum Einsatz, der auf das Verletzungsrisiko im Fußball speziell abgestimmt ist. Neben Kühlspray und Kältekompressen kommen zahlreiche weitere Medizinprodukte zum Einsatz wie:
> Erste Hilfe-Sprays und Salben
> Kompressen
> Wundschnellverbände
> Verbandtücker
> Mullbinden
> Pflaster, beispielsweise Blasenpflaster
> Kohäsivbinden: "zusammenhaltende" Kurz- oder Langzugbinden
> Sport-Bandagen und Sport-Tapes
> Handgelenk-Stützbandagen und Universalschienen
> Augenkompressen und Augenklappen
> Beatmungsmasken und Atemspendegerät
> Infektionsschutz mit Mundschutz, Einmalhandschuhen und Rettungsdecke
3. Akute Behandlung am Spielfeldrand
Ist die Verletzung ernster, ist eine ärztliche Behandlung am Spielfeldrand oder in der Kabine erforderlich. Bei einer schwerwiegenderen Verletzung kommt meist der Arztkoffer des begleitenden Mannschaftsarztes ins Spiel. Er enthält beispielsweise Spritzen und Kanülen, um erforderliche Arzneimittel schnell in den Blutkreislauf zu applizieren.
Einen Einblick in den Arztkoffer des DFB-Mannschaftsarztes Dr. Müller-Wohlfahrt gibt ein Artikel zur Fußball-WM 2006 (Quelle: http://www.flensburg-online.de/fussball-wm-2006/notfall-koffer-vom-teamarzt-mueller-wohlfahrt.html). Dort heißt es unter anderem:
„Bis jetzt musste Dr. Müller-Wohlfahrt, der Teamarzt der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft seinen ‚Erste Hilfe‘-Koffer noch nie bei einem Länderspiel auspacken. (…) Trotzdem steht die Intensiv-Notfall-Ausrüstung von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt – unter anderem gefüllt mit Sauerstoffflasche, Beatmungsbeutel, Infusionsflasche, Skalpell und Absaugpumpe – immer griffbereit neben der Betreuerbank.
Der Arztkoffer enthält unter anderem folgende Medizinprodukte:
> Laryngoskop
> Guedel-Tubus
> Sauerstoffflasche
> Beatmungsbeutel
> Absaugpumpe
> Infusionsflasche mit Infusionsbesteck
> Stethoskop
> Skalpell
Weitere Medizinprodukte, die während des Spiels zum Einsatz kommen können: Hautkleber bei kleineren Kopfplatzwunden; Hautklammergeräte bei größeren Platzwunden, beispielsweise Kopfverletzungen; blutstillende Produkte oder Hautverschlussstreifen bei kleineren Hautverletzungen.
Quelle:
BVMed
www.massstab-mensch.de


