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Übergewicht / Adipositas

Begriffserklärung
Von Übergewicht spricht man, wenn das Körpergewicht, beurteilt nach dem Body Mass Index (BMI), über 25 kg/m2 liegt. Für eine 1.70 m große Person entspricht dies einem Körpergewicht von 72,0 kg.

Adipositas = Fettsucht. Adipositas liegt vor, wenn der Anteil des Körperfettes an der Körpermasse über der Norm erhöht ist. Rechnen Sie Ihren BMI aus:
Körpergewicht in kg: 60
Körperhöhe in m: 160
Ihr BMI beträgt: 23,4 kg/qm
Damit sind Sie: normalgewichtig


Einteilung/Klassifikation

Übergewicht und Adipositas wird heutzutage durch den Body Mass Index (BMI) klassifiziert. Das Körpergewicht in kg dividiert durch das Quadrat der Größe in Metern ergibt den BMI.

 

Einteilung BMI in kg/m2

Körpergewicht bei einer
Körpergröße von 1,70 m

Körpergewicht bei einer
Körpergröße von 1,80 m
Untergewicht < 18.5 53.5 kg 60.0 kg
Normalgewicht 18.5-25.0 53.5 - 72.0 kg 60.0 - 81.0 kg
Übergewicht 25.0 - 30.0 72.0 - 86.5 kg 81.0 - 97.0 kg
Adipositas Grad I 30-35 86.5 - 101.0 kg 97.0 - 113.5 kg
Adipositas Grad II 35-40 101.0 - 115.5 kg 113.5 - 129.5 kg
Adipositas Grad III > 40 > 115.5 kg > 129.5 kg

Definition der Gewichtsklassen mittels BMI

 

Der Körperfettanteil

Aber die Klassifikation mittels BMI ist teilweise nur unzureichend, da die Körperzusammensetzung, also das Verhältnis von Muskelmasse und Fettmasse, nicht berücksichtigt wird. Menschen mit einer erhöhten Muskelmasse werden so irrtümlich mit einem "übergewichtigen" BMI charakterisiert. Hier sollte zusätzlich die Körperzusammensetzung ermittelt werden.

Bei normalgewichtigen Männern beträgt der Anteil des Fettgewebes am Körpergewicht 10-20%, bei Frauen 15-25%. Bei Adipositas Grad I und II kann dieser Anteil auf ein Drittel ansteigen, bei Grad III sogar bis zur Hälfte des Körpergewichtes ausmachen. 80% des Fettgewebes befinden sich unter der Haut, der Rest des Körperfettes befindet sich im Bauch und dient als Schutz für die inneren Organe.

Den Körperfettanteil kann mit unterschiedlichen Verfahren ermittelt werden (Infrarotmessung; Bio-Impedanz-Messung; Unterwasserwiegung usw.). Mittlerweile bietet der Handel Waagen mit integrierter Bio-Impedanz-Messung an. Aber auch Ärzte und Sport-Studios führen verschiedene Methoden zur Ermittlung des Körperfettanteils durch. Zu beachten ist, dass sowohl die verschiedenen Messverfahren, als auch die einzelnen Geräte unterschiedliche Referenzbereiche haben und häufig nicht untereinander vergleichbar sind.

 

Risiken durch Fettvermehrung im Bauch

Bei Übergewicht und Adipositas vermehrt sich sowohl das unter der Haut als auch das im Bauch gelegene Fett, wobei diese Depots nicht gleichermaßen von der Fetteinlagerung betroffen sein müssen.

Gerade das Fettverteilungsmuster gilt als wichtiger Risikoindikator. Die Fettvermehrung im Bauch birgt ein höheres Erkrankungsrisiko für das Herz-Kreislaufsystem und den Stoffwechsel, während die Fettvermehrung unter der Haut insbesondere im Bereich des Gesäßes oder der Oberschenkel ungefährlich ist, häufig Frauen betrifft und aus biologischem Blickwinkel der Reserve zur Versorgung eines Säuglings (Laktation) dient.

Durch Messung des Taillenumfanges, des Hüftumfanges und Ermittlung der Relation zwischen Taillen- und Hüftumfang kann dieses Risiko bestimmt werden.

Messen Sie mit einem Bandmaß in der Mitte Ihres Bauches den Taillenumfang und oberhalb Ihres Schambeinknochens Ihren Hüftumfang. Ermitteln Sie nun das Verhältnis Taillenumfang : Hüftumfang.

Anhand der unten aufgeführten Tabelle können Sie Ihr Risiko beurteilen.

 

Umfangmessungen

Taille-Hüft-Relation (waist to hip ratio)

  Frauen Männer
Bauchbetonte Adipositas > 0.85 > 1.0
Periphere Adipositas < 0.85 < 1.0
 
Taillenumfang (in cm)    
Risiko mäßig erhöht > 80 cm > 94 cm
Risiko deutlich erhöht > 88 cm > 102 cm

Definition der Fettverteilung mittels der Taille-Hüft-Relation und des Taillenumfanges

 

 

 

Beziehungen zu anderen KrankheitenÜberholtes Klischee vom "glücklichen Dicken"

Übergewicht bzw. die sogenannte Präadipositas soll verdeutlichen, dass diese Personen noch nicht mit dem gesundheitlichen Risiko eines Adipösen zu kämpfen haben, aber dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit einmal adipös werden. Die Annahme stützt sich auf die Beobachtung, dass Menschen in Industrieländern innerhalb von 10 Jahren durchschnittlich 5 kg zunehmen.

Bei Adipositas Grad I ist aufgrund des gesteigerten Risikos für Folgekrankheiten und damit einer erhöhten Sterblichkeit eine Behandlungsindikation gegeben. Meist kommen hier die sogenannten konservativen Behandlungsmethoden zum Tragen, welche bei Erfolglosigkeit auch medikamentös unterstützt werden können.

Das Gesundheitsrisiko ist bei Adipositas Grad II massiv erhöht. Sollte die Basistherapie versagen und auch schwerwiegende Folgekrankheiten vorliegen, kann eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden.

Bei Adipositas Grad III sind fast immer schwere Begleiterkrankungen vorhanden. Da hier selten konservative Therapiemethoden in dem gewünschten Maß anschlagen, dass die Personen > 15% ihr Gewicht reduzieren können, sollte eine operative Therapie erwogen werden.

Die Bedeutung des Körpergewichtes für die Gesundheit zeigt sich auch hinsichtlich der Befindlichkeit. Normalgewichtige waren zu 54% mit ihrem Gesundheitszustand generell zufrieden, bei Übergewichtigen traf dies nur noch für 45% zu, bei Adipösen dagegen nur noch für 30%. Die Adipositas geht somit auch mit gesundheitlichen Sorgen und persönlichen Problemen einher – das Klischee vom "glücklichen Dicken" scheint damit überholt.

HäufigkeitTendenz steigend

In Deutschland ist jede zweite Person übergewichtig, jede fünfte adipös – Tendenz steigend.

In den Jahren 1983-1986 wurde das weltweite MONICA-Projekt zur Untersuchung der Häufigkeit von Adipositas durchgeführt, dabei wurden 48 Populationen untersucht. Übergewicht und Adipositas kommen vorwiegend in den Industrienationen vor. 50-75% der Erwachsenen im Alter von 35 bis 64 Jahren waren übergewichtig oder adipös.

Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland eine der oberen Positionen ein, was sowohl für die Häufigkeit von Adipositas als auch den BMI zutrifft. So liegt Deutschland mit einem mittleren BMI von 26.5 kg/m2 nur noch knapp unter den USA mit 27.5 kg/m2 . Auffallend ist auch, dass in Ländern mit geringem Fettverzehr wie China, Japan und Australien ein niedriger BMI festzustellen ist.

Besonders deutlich wird diese problematische Entwicklung an der Häufigkeit von Übergewicht/Adipositas bei Kindern. In einer Untersuchung der Universität Leipzig an Leipziger Schulkindern ermittelte, dass 16% der Kinder einen BMI > 30 kg/m2 hatten (Ärztezeitung Nr. 144 Jg. 20 S.1 03./04.08.01). In den USA stieg die Neuerkrankungsrate von Diabetes mellitus Typ II b, eine Folge von Bewegungsmangel, Überernährung und Adipositas von 0.7/100000 auf 7.2/100000 Kindern im Zeitraum 1982-1994 (Diabetes und Stoffwechsel 10, 2001, 165).

TherapieDas Übergewicht bekämpfen

Wichtig ist es, eine langfristige Therapie mit einer realistischen Zielvorstellung einzugehen. Man unterscheidet folgende Therapieansätze:


1. Ernährungsumstellung
2. Bewegungstherapie
3. Verhaltenstherapie
4. medikamentöse Therapie
5. chirurgische Therapie

Ursachenforschung und AufklärungGenetische Veranlagung ist entscheidend

Die Adipositas ist als eine Störung zu betrachten, die auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist.

Genetische Veranlagung

In Studien wurde herausgefunden, dass Übergewicht innerhalb Familien gehäuft vorkommt (Stunkard; Bourchard). Das Risiko von Kindern übergewichtiger Eltern, später selbst übergewichtig zu werden, ist um ein Mehrfaches höher als das von Kindern schlanker Eltern.

Für nahezu alle Aspekte der Ernährung, des Stoffwechsel aber auch der Vorlieben und des Verhaltens im Zusammenhang mit der Nahrungszufuhr und der körperlichen Betätigung konnten genetische Zusammenhänge gefunden werden.

Aber, in jedem Fall bestimmt die Umwelt, wie stark die Ausprägung ist. Eine Ausnahme stellen Defekte bestimmter Gene dar, die ausgesprochen selten vorkommen und zu einer ausgeprägten Adipositas führen können. Dies stellt dann eine sogenannte sekundäre Adipositas dar – eine Erkrankung, die eine genau zu definierende Ursache hat.

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